* Gefällt Dir diese Homepage oder meinst Du es besser zu können? Erstelle deine eigene kostenlose Homepage jetzt! *

 
 
Buch "Tee oder Kaffee"

Aus Teatime mein Text

Klappentext

Tee oder Kaffee, kommt darauf an wo wir gerade sind und wonach uns zumute ist.

Beim Tee hat man die Wahl zwischen vielen Sorten beim Kaffee die Wahl zwischen Marken

und den verschiedenen Zubereitungen.

Es gibt traditionell ausgesprochene Teetrinker, und ausgesprochene Kaffeegenießer.

Besondere Erlebnisse hat sicher jeder schon mal gehabt beim Genuss von Tee oder Kaffee.

K.S. 2012  


                                                                               
Tee oder Kaffee

Die Frage gab es für mich nicht in Ostfriesland. Mit der Muttermilch und Tee wächst man dort auf.

Schwarzer Tee mit  Kluntje und Rahm.

Eine Schüssel (Kumm) frischer Kuhmilch stand auf dem Tisch, immer frisch und ein Tag alt. Die darauf sich bildende Sahneschicht wurde mit einem speziellen Sahnelöffel abgeschöpft und vorsichtig am Rand der Teetasse eingelassen, damit sich einen Wolke bilden konnte.

Bild

Das war so vor 40 Jahren und mehr.

Heute hat man sich der Zeit angepasst, die Kuhmilch direkt vom Bauernhof bekommt man selten. Einfacher ist es Sahne zu kaufen und in das Milchkännchen zu gießen. Bei allem anderen hält man an der Tradition fest. Ungefähr sechs  mal am Tag gibt es frisch aufgebrühten Tee, damit fängt man morgens nach dem Aufstehen an um wach zu werden. Die letzte Tasse wird so abends zum Abendbrot bis 20 Uhr getrunken.

Bei feierlichen Anlässen zu Hause z.B. gibt es abends auch noch ein Stückchen Kuchen dazu.

Richtig schöne Erinnerungen von Tee habe ich in meiner Kindheit.

Ich schlief, wie es damals üblich war mit meiner Schwester zusammen im Zimmer, in einem großen breiten Bett.

Wir hatten Glück ein breites Bett von ca. 160cm zu haben.

In der Woche mussten wir früh aufstehen und manchmal auch schon kleine Hausarbeiten, wie den Abwasch verrichten. Anschließend gingen wir zur Schule und unsere Mutter zur Arbeit.

Am Sonntag durften wir ausschlafen bis acht, halb neun Uhr. Unsere Mutter weckte uns mit einer Tasse Tee auf dem Tablett. Die erste Tasse bekamen wir mit den Worten, „nu mutt ji ober  upstaan, is all aacht  Ühr“.

Wenn wir Glück hatten, brachte sie uns noch eine  zweite Tasse, wenn wir Pech hatten folgte eine Tasse kaltes Wasser ins Gesicht

Danach standen wir bestimmt auf.

Später als ich meinen Mann kennengelernt hatte, gab es  eine kleine Peinlichkeit  für ihn.

Das erste Mal bei uns zu hause, wurde er meiner Mutter vorgestellt. Mit den ostfriesischen Geflogenheiten kannte er sich überhaupt nicht aus, und erst recht nicht mit  Teetrinken, diese kleinen Tassen.

Im Schwabenland wo er aufgewachsen war, gab es zum Trinken  Milch, Pfefferminztee und später als Erwachsener Kaffee.

In schlechten Zeiten gab es wie in den meisten Familien Linde Muckefuck.

Meine Mutter empfing ihn als Gast und wie es üblich ist in Ostfriesland, gab es Tee und Kuchen.

Etwas anderes wurde nicht angeboten.

Nun war es ein warmer Tag im Juni, und mein zukünftiger Ehegatte hatte Durst nach einer 2 Stunden Zugfahrt.

Normal trinkt man die erste Tasse in kleinen Schlückchen, mein Mann nahm die kleine Tasse setzte an und ein Schluck, sie war leer.

Meine Mutter schaute verdutzt und meinte dann,  „dat  Teedrinken bring wi hum ok noch bi“, das Teetrinken bringen wir ihm auch noch bei.  Später meinte er zu mir, er hätte lieber ein kaltes Bier getrunken.

Das ist aber noch nicht alles, was er lernen musste.

Heute trinkt er Tee aus einem Pott mit Teebeutel, während ich versuche, die Tradition hochzuhalten.

Bei uns gibt es nur kein so weiches Wasser wie in Ostfriesland, der schmeckt nicht ganz so gut wie dort.

Die Ostfriesen sind Deutschlands Teetrinker Nr.1. Etwa ein Viertel des gesamten Teekonsums in der Bundesrepublik fällt auf Ostfriesland, ob wohl die Ostfriesen nur etwa zwei Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Ein bestimmtes Ritual wird eingehalten und gleicht einem Zeremoniell.

Es gibt den Spruch „Ostfriesische Gemütlichkeit hält steht`s ein Tässchen Tee bereit“

Die Teesorte, Ostfriesenmischung, wird aus bis zu 20 Teesorten gemischt.

So wird er gekocht:

Eine Teekanne mit kochendem Wasser ausspülen.

Der Tee wird in einem Treckpott (Ziehtopf) zubereitet. Gut ein bis zwei Teelöffel Teeblätter in die Kanne, mit kochendem Wasser übergießen, so dass die Teeblätter gerade bedeckt sind. Man darf den Tee nicht versupen (ertränken)

Kurz ziehen lassen und etwas kochendes Wasser nachgießen. Die kann stellt man auf ein Teestövchen.

In der Teetasse liegt der Kandis und mit einem Teesieb (damit die Teeblätter nicht in der Tasse landen) wird der Tee auf den Kandis gegossen. Man hört das Knacken des Kandis durch die Hitze. Die Tasse wird bis zu dreiviertel Höhe gefüllt.

Mit einem Sahnelöffel wird dann die Sahne langsam auf dem Tee  verteilt, es entsteht eine kleine schwimmende  Wolke.

Der Tee wird eher geschlürft als getrunken, aber ohne störende Nebengeräusche.

Einen Löffel braucht man bei den ersten zwei Tassen nicht zum Umrühren

Ein Wahlspruch der Ostfriesen ist, “dree is Ostfreesenrecht“, beschränkt sich der Verzehr normalerweise auf drei Tassen.

© Klärchen

K.S. 2012